Du bringe fröhlich jetzt der Glücklichen Das theure Pfand zurück. (Man hört in der Ferne blasen.) O eile, eile Und laß die Freude deinen Schritt verjüngen! Ich höre kriegerischer Hörner Schall, Der meiner Söhne Einzug mir verkündigt.
(Diego geht ab. Die Musik läßt sich noch von einer entgegengesetzten Seite immer näher und näher hören.)
Isabella. Erregt ist ganz Messina--Horch! ein Strom Verworrner Stimmen wälzt sich brausend her-- Sie sind's! Das Herz der Mutter, mächtig schlagend, Empfindet ihrer Nähe Kraft und Zug. Sie sind's! O meine Kinder, meine Kinder! (Sie eilt hinaus.)
Dritter Auftritt.
Chor tritt auf.
Er besteht aus zwei Halbchören, welche zu gleicher Zeit, von zwei entgegengesetzten Seiten, der eine aus der Tiefe, der andere aus dem Vordergrund eintreten, rund um die Bühne gehen und sich alsdann auf derselben Seite, wo jeder eingetreten, in eine Reihe stellen. Den einen Halbchor bilden die ältern, den andern die jüngern Ritter; beide sind durch Farbe und Abzeichen verschieden. Wenn beide Chöre einander gegenüber stehen, schweigt der Marsch, und die beiden Chorführer reden. (2)
------------------------------------------------------ (2) Anmerkung. Der Verfasser hat bei Übersendung des Manuscripts an das Theater zu Wien einen Vorschlag beigefügt, wie die Reden des Chors unter einzelne Personen vertheilt werden könnten. Der erste Chor sollte nämlich aus Cajetan, Berengar, Manfred, Tristan und acht Rittern Don Manuels, der zweite aus Bohemund, Roger, Hippolit und neun Rittern Don Cesars bestehen. Was jede dieser Personen nach des Verfassers Plane zu sagen haben würde, ist bei dieser Ausgabe angedeutet worden. ------------------------------------------------------
Erster Chor. (Cajetan.) Dich begrüß' ich in Ehrfurcht, Prangende Halle, Dich, meiner Herrscher Fürstliche Wiege, Säulengetragenes herrliches Dach.
Tief in der Scheide Ruhe das Schwert, Vor den Thoren gefesselt Liege des Streits schlangenhaarigtes Scheusal. Denn des gastlichen Hauses Unverletzliche Schwelle Hütet der Eid, der Erinyen Sohn, Der furchtbarste unter den Göttern der Hölle!
Zweiter Chor. (Bohemund.) Zürnend ergrimmt mir das Herz im Busen, Zu dem Kampf ist die Faust geballt, Denn ich sehe das Haupt der Medusen, Meines Feindes verhaßte Gestalt. Kaum gebiet' ich dem kochenden Blute. Gönn' ich ihm die Ehre des Worts? Oder gehorch' ich dem zürnenden Muthe? Aber mich schreckt die Eumenide, Die Beschirmerin dieses Orts, Und der waltende Gottesfriede.
Erster Chor. (Cajetan.) Weisere Fassung Ziemet dem Alter, Ich, der Vernünftige, grüße zuerst. (Zu dem zweiten Chor.)
Sei mir willkommen, Der du mit mir Gleiche Gefühle Brüderlich theilend, Dieses Palastes Schützende Götter Fürchtend verehrst! Weil sich die Fürsten gütlich besprechen, Wollen auch wir jetzt Worte des Friedens Harmlos wechseln mit ruhigem Blut, Denn auch das Wort ist, das heilende, gut. Aber treff' ich dich draußen im Freien, Da mag der blutige Kampf sich erneuen, Da erprobe das Eisen den Muth.
Der ganze Chor. Aber treff ich dich draußen im Freien, Da mag der blutige Kampf sich erneuen, Da erprobe das Eisen den Muth.
Erster Chor. (Berengar.) Dich nicht hass' ich! Nicht du bist mein Feind! Eine Stadt ja hat uns geboren, Jene sind ein fremdes Geschlecht. Aber wenn sich die Fürsten befehden, Müssen die Diener sich morden und tödten, Das ist die Ordnung, so will es das Recht.
Zweiter Chor. (Bohemund.) Mögen sie's wissen, Warum sie sich blutig Hassend bekämpfen! Mich ficht es nicht an. Aber wir fechten ihre Schlachten; Der ist kein Tapfrer, kein Ehrenmann, Der den Gebieter läßt verachten.
Der ganze Chor. Aber wir fechten ihre Schlachten; Der ist kein Tapfrer, kein Ehrenmann, Der den Gebieter läßt verachten.
Einer aus dem Chor. (Berengar.) Hört, was ich bei mir selbst erwogen, Als ich müßig daher gezogen, Durch des Korus hochwallende Gassen, Meinen Gedanken überlassen.
Wir haben uns in des Kampfes Wuth Nicht besonnen und nicht berathen, Denn uns bethörte das brausende Blut.
Sind sie nicht unser, diese Saaten? Diese Ulmen, mit Reben umsponnen, Sind sie nicht Kinder unsrer Sonnen? Könnten wir nicht in frohem Genuß Harmlos vergnügliche Tage spinnen, Lustig das leichte Leben gewinnen? Warum ziehn wir mit rasendem Beginnen Unser Schwert für das fremde Geschlecht? Es hat an diesem Boden kein Recht. Auf dem Meerschiff ist es gekommen Von der Sonne röthlichem Untergang; Gastlich haben wir's aufgenommen (Unsre Väter! Die Zeit ist lang), Und jetzt sehen wir uns als Knechte, Unterthan diesem fremden Geschlechte!
Ein Zweiter. (Manfred.) Wohl! Wir bewohnen ein glückliches Land, Das die himmelumwandelnde Sonne Ansieht mit immer freundlicher Helle, Und wir können es fröhlich genießen; Aber es läßt sich nicht sperren und schließen, Und des Meers rings umgebende Welle, Sie verräth uns dem kühnen Corsaren, Die die Küste verwegen durchkreuzt. Einen Segen haben wir zu bewahren, Der das Schwert nur des Fremdlings reizt. Sklaven sind wir in den eigenen Sitzen, Das Land kann seine Kinder nicht schützen. Nicht, wo die goldene Ceres lacht Und der friedliche Pan, der Flurenbehüter, Wo das Eisen wächst in der Berge Schacht, Da entspringen der Erde Gebieter.
Erster Chor. (Cajetan.) Ungleich vertheilt sind des Lebens Güter Unter der Menschen flücht'gem Geschlecht; Aber die Natur, sie ist ewig gerecht. Uns verlieh sie das Mark und die Fülle, Die sich immer erneuend erschafft, Jenen ward der gewaltige Wille Und die unzerbrechliche Kraft. Mit der furchtbaren Stärke gerüstet, Führen sie aus, was dem Herzen gelüstet, Füllen die Erde mit mächtigem Schall; Aber hinter den großen Höhen Folgt auf der tiefe, der donnernde Fall.
Darum lob' ich mir niedrig zu stehen, Mich verbergend in meiner Schwäche. Jene gewaltigen Wetterbäche, Aus des Hagels unendlichen Schlossen, Aus den Wolkenbrüchen zusammen geflossen, Kommen finster gerauscht und geschossen, Reißen die Brücken und reißen die Dämme Donnernd mit fort im Wogengeschwemme, Nichts ist, das die Gewaltigen hemme. Doch nur der Augenblick hat sie geboren, Ihres Laufes furchtbare Spur Geht verrinnend im Sande verloren, Die Zerstörung verkündigt sie nur. --Die fremden Eroberer kommen und gehen; Wir gehorchen, aber wir bleiben stehen.
Die hintere Thüre öffnet sich; Donna Isabella erscheint zwischen ihren Söhnen Don Manuel und Don Cesar.
Beide Chöre. (Cajetan.) Preis ihr und Ehre, Die uns dort aufgeht, Eine glänzende Sonne! Knieend verehr' ich dein herrliches Haupt.
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